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Caspar Schmitz-Morkramer

Retail in
Transition

Hintergründe, Motivationen, Notwendigkeiten

Seit dem letzten Jahrzehnt und insbesondere seit der Coronapandemie geht ein Riss durch den deutschen Einzelhandel. Per Mausklick kann man sich die Warenwelt direkt ins Haus liefern lassen, ohne auch nur einen einzigen Schritt in ein Geschäft gesetzt zu haben. Hinzukommen immer schnellere und effizientere digitale Prozessketten mit den dazugehörigen Geschäftsmodellen und -praktiken. Die Auswirkungen auf den sozio-kulturellen Zusammenhalt unserer Gesellschaft sind weitreichend. In vielen Städten und Kommunen zeigen sich bereits erste Anzeichen von negativen Auswirkungen auf das urbane Leben: Je mehr Käufe online erledigt werden, desto mehr Geschäfte schließen. Die Zahlen und die Geschwindigkeit sind alarmierend. Steht also das Ende des stationären Handels – und damit das Ende der Innenstadt – kurz bevor?

Nicht unbedingt. Noch immer spielt das „Erlebnis Einkauf“ in innerstädtischen Geschäften, die eine persönliche, individuelle Kundenberatung bieten, eine große Rolle. Marktführer der unterschiedlichsten Onlinebranchen investieren in die Ausstattung von „Offlineläden“, um auch auf (buchstäblich) analogen Wegen Kunden zu erreichen. Diese neuen Auftritte in zentralen innerstädtischen Lagen lassen bisweilen überraschende Formen des zeitgemäßen Lebens und Arbeitens im urbanen Kontext entstehen. Mit anderen Worten: Dieselben Kräfte, die das Absterben des traditionellen stationären Handels vorantreiben, kreieren neue Ladenkonzepte und neue Kauferlebnisse.

Eine der Aufgaben unserer Forschungsabteilung caspar.esearch ist es, solche Transformationen von Vertriebs- und Verkaufsformen ebenso klar zu erkennen wie ihre Kontexte, Gründe und Voraussetzungen. Anders wird man die zukünftigen Anforderungen und Bedürfnisse der Urbanität und der Stadtplanung nicht vorhersehen oder erfüllen können – Transformation des Einzelhandels heißt Transformation der Innenstädte! Aus diesem Grund begann caspar.esearch die Studie Retail in Transition, die aktuelle Trends in Technik und Technologie, der Immobilienwirtschaft, der Stadtplanung und der Mobilität in Bezug auf das urbane Leben sowie die Entwicklung der Stadtzentren aufspürt und verfolgt. Es ist übrigens die erste Monografie zu dem Thema überhaupt. Wir möchten eine öffentliche Diskussion darüber stimulieren, wie Städte zu planen sind, öffentliche Orte entworfen werden müssen und individuelle Gebäude revitalisiert werden können, damit sie den Anforderungen der Nutzer weiter gerecht bleiben. Allerdings sind wir, als Architekten, in erster Linie darauf bedacht, öffentliche Räume und Gebäude zu konzipieren und zu realisieren, in denen Menschen ihre Potenziale noch besser er- und ausleben können. Geleitet werden wir dabei stets von unserem Motto „ Maßstab Mensch“. Vertreter:innen von Städten, Architektur, Städteplanung, Einzelhandel, Immobilienwirtschaft und Projektentwicklung finden in Retail in Transition hoffentlich nützliche Ideen für die Wiederbelebung der städtischen Einkaufslandschaften. Denn insbesondere die genannten Akteur:innen haben mit dieser Auseinandersetzung zu tun. Angehen tut es jeden. Daher hoffen wir zugleich, dass die Publikation die breite Öffentlichkeit findet, ohne die es keine Städte gibt.

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